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Außerhalb des kleinen Bundeslandes versteht man es nur schwer: das Saarländische. Nicht ohne Grund sagt man häufig, dass der saarländische Dialekt einer der schrägsten in Deutschland ist. Selbst im kleinsten Bundesland der Republik versteht nicht Jeder Jeden. Von Ortschaft zu Ortschaft werden Wörter teilweise anders ausgesprochen.

Für Außenstehende ist es oft eine mühsame Angelegenheit, einem Saarländer zuzuhören und ihn zu verstehen. Meist versteht man dabei kein Wort – oder falls doch, zumindest den Sinn des Wortes nicht. Die saarländischen Ausdrücke werden zudem sehr oft für viele verschiedene Bedeutungen gleichzeitig verwendet. Welche saarländische Redewendung muss man kennen?

Saarländischer Schwenker

Kommt man aus einem anderen Bundesland – aus dem Ausland – wie man so gerne sagt, und fängt an, in Saarbrücken zu studieren, so wird man in vielen Bereichen mit neuen Wörtern konfrontiert. Die Saarländer sind dafür bekannt zu schwenken. Doch was genau ist das?

Im Hochdeutschen würde man dazu grillen sagen. Jedoch ist schwenken etwas ganz anders. Da schwenkt der Schwenker den Schwenker auf dem Schwenker. Ziemlich kompliziert für Außenstehende.

Dabei ist es meist ein einfacher Dreibein-Grill mit einem runden Rost, der mit einer Kette reguliert werden kann. Mit dem Begriff Schwenker ist somit zugleich der Schwenkgrill, der Grillmeister als auch das geschwenkte Fleisch bezeichnet.

Im Sommer gibt es kaum einen Garten, der nicht mit einem Schwenker ausgestattet ist. Dazu noch ein kühles Bier und „gudd is!“ Doch das darf nicht irgendein Bier sein, nur das Beste vom Besten: Ein Urpils aus der Heimat.

Ein Stubbi in der einen Hand, die Schwenker-Zange in der anderen. Wie trinkfreudig die Saarländer sind, zeigt auch die Redewendung: „Drei Bier sinn ach e Schmier – unn do haschde noch nix debei gedrunk.“ Schmier bezieht sich hierbei auf ein belegtes Brot, drei Biere ersetzen somit dieses.

Geschichte der Nation

Ein typischer Spruch zum Leertrinken einer Flasche Bier lautet „Ex oder Pfälzer!“ Hierbei handelt es sich um eine Anspielung auf die seit Generationen anhaltende Rivalität der Saarländer und Pfälzer. Es werden gerne Witze gegenüber den Pfälzern gemacht. Im Laufe der Jahre entwickelte sich ein kleines Büchlein mit Pfälzer-Witzen, natürlich verfasst im saarländischen Dialekt.

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Die ursprünglichen Hintergründe für diese Feindschaft sind unbekannt. Es scheint so, als würden sie automatisch von Generation zu Generation weitergegeben und übernommen werden. Vielleicht liegt es an der Historie des Saarlandes begründet. Das Bundesland gehörte jahrelang den Franzosen, dann wurde es wieder deutsch. Auch eine eigenständige autarke Phase hat das Saarland durchlebt.

Saarländische Redewendungen und die Kultur

Die Geschichte des Saarlandes hat die Kultur in vielerlei Hinsicht geprägt, kulinarisch als auch sprachlich. Der französische Einfluss ist in manchen Bereichen noch stark erkennbar. Auch wenn die Saarländer gegenüber anderen Nationen oder Regionen nicht so offen sind – sie haben ein starkes Nationalbewusstsein entwickelt und sind eng miteinander verbunden.

Das ist im kleinsten Bundesland der Republik auch schnell getan. Hier kennt gefühlt Jeder Jeden, auch wenn es mal über ein paar Ecken geschieht. Umso erstaunlich ist die Tatsache, dass sich die regionalen Dialekte so sehr voneinander unterscheiden.

Heißt die Straßenbahn zum Beispiel in Saarbrücken „Schtroßebahn“, wird sie in einem anderen Stadtteil, gerade einmal fünf Kilometer weiter „Schtroßebohn“ genannt. Da verliert man schnell den Überblick.

Wenn es um Essen geht, gilt: Hauptsach gudd gess

Die Esskultur im Saarland hat eine lange Tradition. Nicht ohne Grund ist das Lebensmotto vieler Saarländer folgendes: „Hauptsach gudd gess, geschafft han ma schnell.“ Übersetzt in das Hochdeutsche bedeutet es so viel wie: „Hauptsache gut gegessen, die Arbeit ist schnell erledigt.“

So unaussprechlich wie die meisten Redewendungen sind, so schwer lassen sich auch die Gerichte aussprechen.

Frei nach dem Motto „Mir esse, was annere niddemols ausschwäddse kinne“ (Wir essen, was andere nicht mal aussprechen können) ernährt sich der Durchschnittssaarländer von Dibbelabbes und Schales, einem Topfkuchen aus Kartoffeln mit Speck-Sahnesoße oder Apfelmus, oder Gefillde.

Gefillde sind Kartoffelklöße, die entweder mit Hackfleisch. Blut- oder Leberwurst gefüllt sind und mit Specksoße gegessen werden.

Die Maggi-Flasche ist im Saarland gang und gäbe. Die Lieblingsgewürzmischung der Saarländer wird bei allem verwendet. Egal ob am Essenstisch bei fein zubereitetem Essen oder wenn man mit Freunden in der Stadt schnell eine Rigatoni holt –Maggi darf nirgendwo fehlen. Auch auf dem Adventskranz ist sie bei vielen Saarländern ein Muss: Mit einem Lyoner-Ring als Kranzersatz ersetzen vier Maggi-Flaschen die Kerzen.

Unn du so?

Die Sprache der Saarländer ist gleichzeitig kompliziert und meist doch so einfach. Im Internet wird sich häufig darüber lustig gemacht, dass man sich im Saarländischen nur mit wenigen Worten unterhalten kann. Eine typische Begrüßung auf der Straße verläuft meist in diesem Muster ab: „Unn?“, „Jo. Unn selbst?“. „‘S muss.“ Und Tschüss. Das war alles.

Das Wörtlich „Unn“ kann im Saarländischen für Aussagen wie „Hallo“, „Wie geht’s?“, „Lange nicht gesehen“, „Wie war die Klausur?“ und vieles mehr verwendet werden. Verblüffend dabei ist, dass jeder Saarländer dies auch versteht. Oder zumindest den Anschein wahrt, denn die Antworten sind genauso vielfältig gestaltet: „Ei jo.“, „Jo.“, „Ach jo.“, „Ei gudd.“

Nicht nur die Aussprache, bzw. Schreibweise der Redewendungen und Sätze im Saarländischen kann für Außenstehende lustig sein. Auch die Bedeutung, die dahinter steckt, bringt Manchen zum Lachen. „Vom Lemmes gepickt sein“ klingt nicht nur verrückt, es ist es auch. Die Bedeutung des Satzes impliziert eine verrückte Art an den Tag zu legen.

Beliebte Saarländische Redewendungen: Der Aufbau der Wörter

Auffallend ist, dass die Wörter im Saarländischen nicht sehr lang sind. Die meisten Ausdrücke besitzen nur drei bis fünf Buchstaben. So ist der Kommentar für eher wenig positive Ereignisse „Besser als in die Bux geschiss!“ schnell gesagt.

Außerdem kommt es häufig vor, dass bei saarländischen Wörtern ein Buchstabe doppelt geschrieben wird, wie bei „Das iss gehubbst wie geschprung“, was jedoch keinen großen Unterschied in der Bedeutung macht. Auffallend ist ebenfalls die häufige Verwendung von „sch“. Man könnte meinen im Saarländischen gibt es kein „ch“, da dies durch „sch“ ersetzt wurden.

Um weitere Eindrücke von der saarländischen Sprache zu bekommen sind folgend noch oft verwendete Ausdrücke aufgelistet:

  • Schnääges: Damit sind einfache Süßigkeiten gemeint.
  • Grommbeer: Oft sagt man, es gibt Grommbeere zum Mittagessen. Bedeutung: Kartoffeln
  • Flemm: „Isch hann de Flemm“ häufig benutzt, um einen depressiven Gemütszustand zu beschreiben.
  • Huddel: Wer hat schon keinen Huddel? Husten, wir haben ein Problem.
  • Ballawer: „Mach doch kenn so Ballawer“ bedeutet einfach keinen Lärm oder Stress machen.
  • Struddelisch: Ein Kabelsalat ist zum Beispiel struddelisch: unordentlich
  • Kniesje: Ganz bekannt und gerne gesehen, das Endstück vom Brot
  • Leck: Damit wird eine Art von Verwunderung beschrieben – Oh leck!

Für Saarländer ist es Alltag, für den Rest Deutschlands eher eine amüsante Sache. Das Saarländische klingt kompliziert und abstrakt, doch welcher Dialekt tut das nicht? Aber zugleich kann man sich mit so wenigen Wörtern wie möglich bestens unterhalten. „Daran halld sisch der Saalänner joo draan wie de Narr am Käs.“