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Rap-Musik und die Hiphop-Kultur waren in Deutschland um den Jahrtausendwechsel die mit weitem Abstand vorherrschende Jugend-Subkultur. Zeit, diese Ära der derben Beats und weiten Hosen für eine Party aufleben zu lassen.

Die Beginner hießen noch Absolute Beginner, Snoop war noch Snoop Doggy Dogg, Ice-T rappte noch, anstatt auf dem Bildschirm Verbrecher durch New York zu verfolgen und Eminem (der mittlerweile 45 ist…) hatte gerade erst seine Slim Shady LP herausgebracht und wurde als der aufstrebende Star (der erste Weiße mit „Street Credibility“) in der US-amerikanischen Rap-Szene gefeiert.

Millennium Hip Hop Mottoparty: Lebensgefühl

Keine Frage, das Lebensgefühl sehr vieler Teens und Twens der späten 90er und frühen 2000er stampfte im stetigen Rhythmus der Rap-Beats. Und weil diese Szene so vielfältig war, gibt es hier mehr als genug Ansatzpunkte, um eine zünftige Party nach diesem Motto auszurichten. Und wer damals dabei war, wird auf den folgenden Zeilen vielleicht auch so einige nostalgische Gefühle bekommen.

1. Location Ideen

Wer damals jung war, der hatte es (wie schon die Generationen davor) wahrscheinlich nicht so dicke im Portemonnaie. Und generell gehört zu Rap und Hiphop (Rap ist die Musik, Hiphop die dazugehörige Kultur im Allgemeinen) immer ein gewisser „Straßen-Touch“. Orientieren kann man sich auch etwas an der Pimp Party.

Vor allem abseits des Mainstreams waren Konzerte praktisch immer dort zu finden, wo es ein bisschen heruntergekommen war – Industrieruinen, leere Lagerhallen, alte Luftschutzbunker. Und wer als damaliger Jugendlicher privat feierte, tat das typischerweise oft im elterlichen Partykeller oder der Garage.

Das bedeutet, für dieses Party-Revival kann man sich in Sachen Location also sehr bedeckt halten, Räume anmieten, erst recht besonders aufwändige, sollte man in keinem Fall. Je mehr „underground“, desto besser.

2. Richtiger Look

Eines ist definitiv aus dieser Zeit im kollektiven Gedächtnis hängengeblieben: Die Erinnerung an Baggy Pants. Jeans (und andere Hosen), die so weit geschnitten waren, dass die untere Hälfte der Körperform ihres Trägers kaum noch zu erkennen war. Der Schritt hing zwischen den Knien, die hinteren Taschen auf Mitte der Oberschenkel.

Der Hosenbund begann, zumindest bei Jungs, nicht selten erst unterhalb der Po-Backen (und ließ den Blick auf verrückt gemusterte, nicht minder weite Boxershorts zu) und die ganze Hose war zig Nummern zu groß – verstärkt wurde das Bild noch dadurch, dass die Hosenbeine wegen der tiefsitzenden Trageweise wie eine Ziehharmonika wirkten.

Hintergrund ist folgender: In den USA wurden/werden Häftlingen, auch wenn sie nur für eine Nacht in der Ausnüchterungszelle landen, Gürtel, Schnürsenkel und alles andere abgenommen, mit dem sie sich erhängen könnten. Dadurch rutscht die Hose. Mit den hängenden Baggys symbolisierten die ersten Träger demnach eine gewisse „Gangster-Attitüde“, welche irgendwann in die ganze Hiphop-Szene überschwappte.

Damals gab es unzählige Szene-Modelabels, die die Kundschaft mit extra sackartig geschnittenen Baggys bedienten. Heute muss man etwas in die Trickkiste greifen: Eine wirklich(!) zu große Jeans im sogenannten „Comfort fit“ ist ein guter Anfang. Um gänzliches Herabrutschen zu vermeiden, nutzt man einfach Gürtel. Alternativ funktionieren auch Tarnhosen in Übergröße, notfalls tuts auch eine entsprechende Trainingshose.

Für den restlichen Look kann man sich an dem orientieren, was zwei Urgesteine aus dieser Epoche auch heute noch tragen, Jay-Z und seine Angetraute Beyoncé. Tarnmuster gehen für die Party immer, besonders als schwerer Parka. Dazu gern auch (bis obenhin zugeknöpfte) Flanell-Hemden. Ganz wichtig: Damals wurden Kappenschirme noch nicht flach getragen, sondern waren gebogen. Der Schirm wies nach vorn, war aber um ca. 45° nach links oder rechts gedreht.

Wer die Sache abrunden möchte, trägt möglichst dicke Digitaluhren, Erkennungsmarken um den Hals und legt das Portemonnaie an eine auffällige Kette. Allerdings: Das „Bling-Bling“, die überladenen Glitzerschmuckstücke, die US-Rapper damals so gerne zeigten, war hierzulande, zumindest um den Jahrtausendwechsel, noch nicht präsent.

3. Deko der Hip Hop Mottoparty

Hier kommt es natürlich darauf an, wie stark man gewillt ist, die Party-Location nachhaltig zu verändern. Die einzig wahre Deko, wenn man es so nennen will, wären großflächige Graffitis. Allerdings ist das eine eigene Kunstform für sich, schon im Ansatz nicht ganz leicht zu erlernen (siehe: https://www.28-industries.com/fachartikel-hiphop/anleitung-die-8-schritte-bis-zu-einem-fertigen-graffiti/)vor allem besprayt man eben Wände. Wer sich abhelfen möchte: Bettlaken voll mit der dazu passenden Kunst, die man an die Wände tackert, funktionieren ebenso gut.

Dazu noch Poster der damaligen Künstler, wobei man sich an die einstigen Szenegrößen halten kann – es dürfte ziemlich schwierig (und teuer) sein, heute noch Poster eines MC Spontan, des Duos Creutzfeld & Jakob oder Torch zu bekommen.

In den späten 90ern erlebten übrigens gerade Lavalampen ein kleines Revival. Ein, zwei Stück bringen diese Epoche ziemlich gut wieder zurück. Und irgendwo muss einfach eine „Scream“-Maske hängen – die Filmreihe sowie ihre lustigen „Scary-Movie“-Verballhornungen (wozu Eminem das Titellied beigesteuert hat: https://www.youtube.com/watch?v=1G4LCrvL6PY) waren damals Jugend-Kult und die Maske das Symbol dafür.

4. Speisen und Getränke Tipps

Der Vorteil ist, dass man sich hier zurückhalten kann, es gab (und gibt) schlicht keine „Hiphop-Menüs“. Allerdings empfiehlt es sich, auf die Details zu achten: Damals war Hamburg eines der wichtigsten Zentren deutschen Raps. Viele Rapper erkoren deshalb damals die norddeutsche Biermarke Becks zusammen mit dem niederländischen Heineken zum Getränk ihrer Wahl, erwähnten sie auf CDs und auf Konzerten verschwand die Bühne nicht selten in einem grünen Flaschenmeer.

Ein weiteres Getränkedetail, das sich ebenfalls auf der Party wiederspiegeln kann, ist die Tatsache, dass in den 90ern in Deutschland ein langjähriges Gesetz gefallen war, das zuvor den Verkauf von Biermischgetränken verboten hatte (das hing mit dem Reinheitsgebot zusammen).

In der zweiten Hälfte der 90er erblühte der Markt für solche Drinks, die vor allem von einem jugendlichen Publikum konsumiert wurden. Einige Dosen/Flaschen Mixery, Dimix, Desperados sind zeitgenössisch, viele andere der damaligen Kultgetränke wurden allerdings bereits eingestellt, andere, die heute erhältlich sind, kamen erst viel später dazu.

In Sachen Essen kann man es einfach halten: Typische Fast-Food-Snacks sind das Mittel der Wahl, jedoch sollte man keinesfalls irgendwelches sehr aufwändig gemachtes Finger-Food servieren, das wäre ein kulinarischer Diss-Track.

5. Musik und Medien

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Wir kommen zum Mittelpunkt der Hip Hop Mottoparty, Musik und andere Medien. Der Vorteil: Auf einschlägigen Internetportalen findet sich heute noch alles an Musik, was damals Rang und Namen hatte (und auch, was nur eingeweihten Heads bekannt war).

Wer es richtig klassisch will, spielt diese Musik von einem Boom-Blaster ab – einem zu großen CD-Spieler mit dicken Bassboxen in Zylinderform. Wer sich richtig Mühe geben möchte, baut natürlich gleich ein DJ-Pult mit zwei Plattentellern auf und lässt die Tracks alle von der Platte laufen. Doch egal aus welcher Quelle, die Stücke sollten von folgenden Musikern stammen, die damals besonders bedeutend waren:

  • Absolute Beginner (An dem sehr wichtigen Track K2 beteiligt)
  • Afrob
  • Azad
  • Creutzfeld & Jakob
  • D-Flame
  • DMX (Besonders Ruff Ryders Anthem)
  • Dr. Dre
  • Eins, Zwo
  • Eminem
  • Fettes Brot
  • Freundeskreis
  • Fünf Sterne Deluxe
  • Jay-Z
  • Kool Savas (frühe Werke)
  • MC René/Reen
  • Snoop Dogg
  • Spezializtz
  • Stieber Twins
  • Wu Tang Clan

Mit Stücken dieser Künstler kann man den Abend proppenvoll mit zeitgenössischem Rap packen. Wer es allerdings richtig derbe möchte, der geht weiter, als einfach nur Musik im Hintergrund laufen zu lassen.

Youtube als Inspiration für eure Hip Hop Party

Die späten 90er und frühen 2000er waren die Zeit, als Rap so Mainstream war, dass die großen Musiksender Viva und MTV eigene Sendungen nur dieser Musikrichtung widmeten. Aus der damaligen Zeit haben sich noch einige Videos auf YouTube erhalten und machen die Stimmung erst richtig komplett:

  1. Mixery Raw Deluxe Battle in Wien
  2. Taktlo$$ bei Viva Supreme (das Video hatte damals in der Szene allerhöchsten Kultstatus)
  3. Dr. Dre & Snoop Dogg Up in Smoke Tour (das wichtigste Konzertvideo der damaligen Ära: https://www.youtube.com/watch?v=oGFkGhm2CqE)

Besonders Freestyle-Rap-Battles, bei denen zwei Kontrahenten live gegeneinander rappen, ohne einen Text zu haben, waren damals Kult und es gibt noch genug Videos aus dieser Zeit – die nebenbei auch beweisen, welche kreativen Wortkünstler sich damals in der Rap-Elite fanden.