Handysucht-was-tun-gegen-Abhängigkeit

Mit dem Aufstieg der Mobiltelefone in den öffentlichen Raum setzte in den frühen 2000ern ein Prozess ein, der sich noch bis heute hinzieht. Während die ersten Mobiltelefone lediglich Anrufe, SMS sowie einfache Spiele boten, sind ihre Nachfolger nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Smartphones gleichen mehr kleinen Computern und tatsächlich sind sie mitunter zu sehr hohen Rechenleistungen imstande.

Die Zahl der Smartphone-Besitzer steigt und bereits im Jahr 2017 hatten um die 80% der Deutschen ein eigenes oder in der Familie benutztes Gerät. Insbesondere Kinder und junge Erwachsene nutzen ausgiebig die mobilen Endgeräte. All die Chancen täuschen jedoch bisweilen über die Gefahren hinweg, nämlich wenn eine Handysucht entsteht. Was tun?, fragen sich in diesem Fall Freunde oder Eltern, denn der Konsum kann auch bei Älteren mitunter ausarten und abhängig machen.

Wie entsteht Handysucht?

Handysucht entsteht nicht von einem Tag auf den anderen, sondern durch langanhaltende Gewöhnungsprozesse, vergleichbar mit dem Drogenkonsum. Das Smartphone nimmt eine dominante Rolle bei vielen täglichen Prozessen ein, weswegen die Sucht schleichend kommt und oftmals erst zu spät entdeckt wird.

Googeln des neuen Kochrezepts, Nachrichten digital lesen, Hörbücher während des Sports, Mobilegames beim Warten auf den Zug, die Suche nach dem nächsten Flirt mit Dating-Apps, Chatten mit WhatsApp oder “Connecten” auf den sozialen Medien wie Facebook, Instagram und Twitter gehören zu den verlockendsten Angeboten der Smartphones. Diese enormen und diversen Möglichkeiten machen es schwer einzelne Süchte zu erkennen.

Smartphones erzeugen diese Abhängigkeit durch die Reizung des körpereigenen Belohnungssystems im Gehirn. Dieses schüttet Dopamin aus – ein Botenstoff, der für Glücksgefühle sorgt. Jedes Signal des Smartphones treibt daher die Lust auf Überraschungen weiter an. Zudem steigt das Gefühl, man würde etwas Wichtiges möglicherweise verpassen.

Woran erkennt man, dass man handysüchtig ist?

Das Smartphone nimmt bei vielen Menschen einen hohen Stellenwert ein, wie lässt sich also ein regulärer Konsum von einem maßlosen Gebrauch unterscheiden? Am Anfang steht die eigene Erkenntnis, welchen Stellenwert das eigene Handy im Leben einnimmt. Sollte es nicht nur ein guter Begleiter sein, sondern der Lebensmittelpunkt, gilt es zu handeln.

Bei vielen Handysüchtigen verändert sich der Aufmerksamkeitsfokus. Er liegt nicht mehr bei der Schule oder den Aufgaben im Job, sondern bei der Beantwortung der neuen Nachrichten. Tatsächlich sind die exzessiven Nutzer von Social Media Plattformen die gefährdetste Gruppe für eine Smartphone-Sucht.

Deutliche Anzeichen sind die dauerhafte Sorge etwas zu verpassen, gescheiterte Versuche den eigenen Konsum zu reduzieren, hohe Nutzung trotz negativer privater Konsequenzen sowie ein großer zeitlicher Verbleib auf den Applikationen. Spätestes bei Entzugserscheinungen oder Aggression bei Abwesenheit vom Gerät, sollte die Hilfe von Dritten aufgesucht werden.

Folgen der Handysucht

Eine Smartphone-Sucht zeigt sich erst langsam. Zunächst verbringt man zu viel Zeit mit dem mobilen Endgerät und vergisst möglicherweise die Nutzungsdauer, wenn man im Flow der Applikationen verweilt. So werden rasch aus 15 Minuten ein oder zwei Stunden. Häufige Begleiterscheinungen sind auch Erschöpfung und Schlafmangel. Viele können sich am späten Abend nicht vom Gerät losreißen und chatten bis weit in die Nacht mit Freunden.

Weitere mögliche Folgen können sein:

  • Eigene Isolierung von Freunden und Familie
  • Hohe Kosten für Internetvolumen
  • Schuldenfalle durch Online-Dienste
  • Depressives Verhalten bei Verlust des Geräts
  • Entzugserscheinungen
  • Verlust sozialer Kontakte
  • Aggression bei Handyentzug
  • Verschlechterung in Schule oder Büro

Neben diesen relativ „harmlosen“ Folgen können jedoch auch langfristige und gefährlichere Folgeerscheinungen auftreten, die bis zu Entzugserscheinungen, ähnlich wie bei Drogensüchtigen, führen können. Meist beginnt eine Handysucht mit dem Rückzug aus dem Freundeskreis und der Familie. Im schlimmsten Fall muss eine Therapie in Anspruch genommen werden, um aus der Handysucht herauszukommen.

Was tun bei Smartphone Sucht?

Tipps-gegen-Smartphone-Sucht

Ist eine wirkliche Sucht einmal entbrannt, dann helfen Tipps und Tricks wenig und man sollte sich professionelle Hilfe suchen. Es existieren eine Reihe von Vereinen und Verbänden, die sich auf die Therapie von Medien-Abhängigen spezialisiert haben. Diese Gemeinschaften sind besonders bei gefährlichen Anzeichen wie Entzugserscheinungen eine gute Anlaufstelle, um professionelle Unterstützung zu erhalten.

Eine ganze Reihe von Menschen verbringt zwar zu viel Zeit mit ihrem liebsten Begleiter, aber diese beginnende Sucht bzw. der erhöhte Konsum können sich noch behandeln lassen, bevor die gefährlicheren Konsequenzen eintreten können. Sollte man den Verdacht hegen, dass ein Freund oder ein Familienmitglied darunter leidet, ist es sinnvoll das Thema schonend anzusprechen und eine gemeinsame Lösung – kein Verbot – zu finden.

Bei Kindern ist die Angelegenheit etwas komplizierter, denn die Eltern haben ihnen gegenüber eine Fürsorgepflicht. Zu hoher Konsum kann nicht nur die Schulleistung gefährden, sondern Kinder schneller und stärker in eine wirkliche Abhängigkeit führen. An dieser Stelle ist Fingerspitzengefühl gefragt. Eltern sollten sich bei Fragen an Experten wenden, die Umgang mit ähnlichen Fällen hatten.

Tipps zum Besiegen der Handysucht

Der ablenkende Blick zum Smartphone stört nicht nur die Konzentration, sondern verschlingt laut Statistiken mehr als eine Stunde am Tag in der mittleren Altersklasse zwischen 14 und 49 Jahren. Diese Zeitspanne kann jedoch durch einige Tipps und Strategien gegen Handysucht reduziert werden.

Tipp Nummer 1: Aufmerksamer werden
Bewussteres Handeln liegt nicht nur im Trend, sondern hilft auch bei der Reduzierung des Smartphone-Konsums. Der Nutzer kann sich stets fragen, warum er jetzt zum Gerät griff und ob eine wirkliche Notwendigkeit vorlag. So lassen sich Gewohnheiten erkennen und verändern.

Tipp Nummer 2: Alarmtöne ausschalten
Das Mobiltelefon sendet akustische und optische Signale aus, um neue Nachrichten, Überraschungen und Meldungen anzuzeigen. Diese Signale sollen den Nutzer an das Gerät binden und die Verweildauer erhöhen. Um nicht der Handysucht zu erliegen, sollte man die Alarmsignale grundsätzlich ausschalten.

Tipp Nummer 3: Das Smartphone redundant machen
Viele Funktionen der mobilen Geräte wurden früher von anderen Produkten übernommen: Armbanduhren oder Wecker halfen dabei die Zeit im Blick zu behalten, in Kochbüchern fand man genügend Ideen zum Selbermachen und die Zeitung hat man sich liefern lassen. Der Trend geht zurück zu diesen einfachen Mitteln, die helfen das Smartphone nicht für alles zu bemühen.

Tipp Nummer 4: Die Gefahren erkennen
Viele Applikationen besitzen bereits heute die Funktion die mit den Anwendungen verbrachte Zeit zu messen. Diese Daten können genutzt werden, um die Dauer zu reduzieren. Möglicherweise ist einem selbst die Höhe des Konsums vollkommen unklar, sodass solche Zeitmessungen ein heilsamer Schock sein können. Alternativ gibt es Apps, die wie eine Art Wecker funktionieren und Alarm schlagen, wenn eine zuvor festgelegte Zeitgrenze überschritten wurde.

Tipp Nummer 5: Ruheräume schaffen
Ruheräume sind Orte der Stille und des Verzichts. Der Ruheraum kann die Handysucht reduzieren, wenn man klein anfängt und erste Phasen sich selbst schafft, in denen das Smartphone nicht griffbereit oder ausgeschaltet ist. Diese Zeiten lassen sich dann ausdehnen auf nach 20 Uhr oder zwischen 10 und 14 Uhr, wie es möglich ist.

Tipp Nummer 6: Zeit auf sozialen Netzwerken reduzieren
Die größten Abhängigkeitsfaktoren sind WhatsApp, Facebook und Co., sie sind mit schier endlosen Neuigkeiten, Bildern und Informationen gefüllt, die das Abspringen stark erschweren sollen. Wer die Zeit auf diesen Plattformen reduziert, der hat schon einiges gewonnen. Eine Möglichkeit ist es, die Netzwerke nur noch am Desktop-PC zu nutzen und die mobile Nutzung einzustellen.

Definition des Smombie

Wandelnde, wankende, untote Horden die eine Gefahr für ihre Umgebung und die Menschen darstellen. Diese Rolle übernehmen Wiedergänger und Zombies in Filmen, Büchern sowie Fernsehen. Eine neue sarkastische Wortkreation vereint die grässlichen untoten Zombies mit dem Smartphone: dem „Smombie“.

Ein „Smombie“ achtet nicht auf seine Umgebung, sondern ist an sein Gerät gebunden. Er läuft wie ein willenloser Untoter mit seinem Endgerät durch die Gegend und gefährdet somit sich selbst und andere Passanten, besonders im Straßenverkehr. Das Smartphone kann dem „Smombie“ zum Verhängnis werden.

Phobbing im Alltag

„Phobbing“ ist ein weiterer Neologismus, der erst durch den exzessiven Smartphone-Gebrauch entstanden ist. Phobbing stammt aus dem Englischen und setzt sich aus den beiden Wortbestandteilen „Phoning (für das Sein am Handy) sowie Mobbing“ zusammen.

Ein Phobber ist somit eine Person, die ihr Gegenüber weniger wertschätzt als das eigene Mobiltelefon. Beim Phobbing wird während der eigentlichen Unterhaltung ein größer Wert auf das Smartphone und die dortigen Vorgänge als auf den Dialog gelegt. Das aus einer australischen Marketingkampagne entstandene Kofferwort hat sich seit seinem ersten Auftreten öffentlich verselbstständigt.